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Anfänge von Demenz?

Ich dachte immer, meine Mutter hätte den Weggang meiner letzten Frau nicht verkraftet, denn ich fand sie im dunklen Keller liegend mit Schlaganfall, danach war sie dement!
Aber jetzt, im Nachhinein (sie ist bereits 3 Jahre tot nach 2 Jahren in einem Heim) fallen mir Dinge ein, die wahrscheinlich der Beginn der Erkrankung waren:
Meine Mutter 2011 (mit 91):
ich fuhr 1 - 2x die Woche mit ihr in ein Restaurant (verschiedene) essen, und da fiel mir auf, dass sie nach dem Essen minutenlang nicht mehr ansprechbar war, richtig "weggetreten"!
Einen Sonntag saßen wir im griech. Restaurant "Nepheli", und ich weiß bis heute nicht, wer die 112 gewählt hatte, auf jeden Fall tauchten plötzlich Notarzt und zwei Sanis mit Trage im Restaurant auf, untersuchten meine Mutter - alles sehr peinlich, ich sagte, dass sie das öfter habe, daraufhin ließen sie mich mit ihr nach Hause fahren, kamen aber hinterher - zu Hause angekommen konnte sie aussteigen und die Treppe rauf, als ob nichts gewesen wäre, ich vermutete, dass der Verdauungsprozess Blut im Gehirn abzog, aber auch der Notarzt vermutete keine Demenz!
Und dann passierte es, dass ich, auch wieder im "Nepheli", zu ihr sagte, sie solle den Cappuccino trinken, bevor er kalt würde, da griff sie NEBEN die Tasse, führte die imaginäre Tasse zum Mund, trank und setzte sie wieder ab und ich meinte: "Mutti, Du hast keine Tasse in der Hand gehabt!"
Später hilt sie mich manchmal für ihren Vater, nachmittags holte ich sie immer zu mir ins Arbeitszimmer zu einem Cappuccino, da sah sie auf dem Schulhof gegenüber eine Kirmes, dann stand sie auf, ich fragte "Was ist, Mutti?" und sie meinte, da käme ihr Vater sie zur Schule abholen.Zu der Zeit kam ein Pflegedienst morgens, sie von oben (Schlafzimmer) nach dem Ankleiden zu mir nach unten zu bringen (ich konnte zu der Zeit bereits nur noch gehen, wenn ich mich irgendwo oder woran festhalten konnte, und abends wurde sie wieder hoch gebracht.
Das Haupt-Problem war, dass sie immer aufstand und dann oft hin fiel (und ich musste alles abschließen), und eines Tages hörte ich ein Geräusch - sie war wieder aufgestanden und im Esszimmer gefallen, lag halb unter dem Tisch, hatte Schmerzen in der Schulter - mit großer Mühe konnte ich sie auf die Beine stellen und bat abends den Pflegedienst, ihre Schulter (mit vorhandener Salbe) einzureiben - "Nein, Herr Glaser, das dürfen wie nicht, nur mit ärztlicher Verordnung!" informierten aber hinter meinem Rücken unsere Ärztin, die am nächsten Morgen auftauchte - Verdacht auf Schlüsselbeinbruch, die wiederum ließ ihre Helferinnen nach einem freien Platz in einem KH tel., ohne mich zu informieren, und so kam sie am nächsten Tag ins KH in Euskirchen, und dort erzählte sie, ein junger Mann hätte sie an einer Unterführung mit einem Stock auf die Schulter geschlagen (es war ein Schulterbruch - da war sie 90). Man dachte wohl, ich sei der "junge Mann, dabei war ich da bereits 62! Auf jeden Fall kam eine Richterin mit einem Anwalt aus EU zu mir nach Hause, meine Generalvollmacht galt nicht mehr, kein Zugriff aufs Konto mehr (ich wollte noch eine Überweisung für sie machen, da war ich bereits gesperrt!), sie bekam eine Betreuerin vor die Nase gesetzt und kam direkt von Euskirchen in das Heim in Bonn-Mehlen, wo sie schon zur Kurzzeitpflege war, als ich ins KH musste, alles über meinen Kopf hinweg (und dann wollte man wohl mich entmündigen lassen, was ich rechtzeitig bemerkte)!
Meine Mutter mit mir 2013:
Für mich war eine Fahrt zum Heim (20 km Entfernung) immer sehr schwer, weil meine Mutter nur noch in ihrer eigenen Welt lebte - ich musste auf der Heimfahrt immer heulen - ein Tod auf Raten!.
Meine Mutter mit mir 2015:
Keiner, der das nicht selbst erlebte, kann da mit reden!
Und über Pflegedienste könnte ich auch ein Buch schreiben!
Diethelm

30.7.19 17:09

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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Muschelsucherin / Website (30.7.19 17:43)
Berührende Fotos zu deinem Bericht.
Und meine große Anerkennung für Dich dass du bis zum Schluß zu deiner Mutter gehalten und sie im Rahmen deiner Möglichkeiten versorgt hast.
Ich weiß noch nicht wie das mal mit meinen Eltern sein wird, aber Geschwister haben uns auch schon Gedanken gemacht wie wir sie versorgen wollen, solange es eben geht.

Liebe Grüße!


Diethelm / Website (31.7.19 23:17)
Naja, ich musste 24 Stunden am Tag für sie da sein, das gin g an die Substanz, sie wollte z.B. eines nachts am Fester raus (im ersten Stock) aufs WC!
Als sie im Heim war, musste ich in die Klinik - 2 L Blutverlust wegen dem Stress!
Aber alleine zu sein ist auch nicht einfach, in den letzten 2 Wochen war ich jeden zweiten Tag bei meinem Lieblingsgriechen draußen zwei Bierchen schlappen und hatte manch nettes Gespräch, als meine letzte Frau mich verließ, waren sie wie eine Familie zu mir, und seitdem esse ich als Frühstück jeden Tag einen Joghurt, will ja als Rollstuhlfahrer nicht zunehmen.
Diethelm

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